Montag, 3. April 2017

5 Tipps zum Nähen mit der Zwillingsnadel

Wenn man Nähanfänger ist, sitzt man relativ schnell vor dem Problem, an einem Oberteil einen möglichst geraden Saum zu nähen, der bitteschön auch noch einigermaßen professionell aussehen soll.

Schaut man sich gekaufte T-Shirts an, sieht man auf der Vorderseite in der Regel zwei Nahtlinien in einem Abstand wenigen Millimetern übereinander. Auf der Rückseite findet man ein gleichmäßig verschlungenes Fadengewirr gekreutzter Fäden, die die umgeschlagene Stoffkante umfassen. Dabei handelt es sich um einen Coverstich, der mit mehreren Fäden und 2 Nadeln genäht wird. Natürlich hat kaum ein Anfänger eine Coverstitch-Maschine zu Hause stehen. Die Maschinchen kosten nämlich richtig viel Geld!

Nähen mit der Zwillingsnadel: 5 Tipps

Aber es gibt eine Lösung: die Zwillingsnadel! Eigentlich handelt es sich um zwei Nadeln, die an einem Steg befestigt sind, der wiederum am Nadelschaft sitzt. Statt mit nur einem Oberfaden nutzt man zwei Oberfäden. Mit den zwei Nadeln werden also wie beim Coverstich zwei Nahtlinien auf der rechten Seite des Stoffes genäht. Der Unterfaden wird im Zickzack auf der linken Seite des Stoffes geführt. Durch diesen Zickzack ist der Stich dehnbar und reißt nicht, wenn der Saumbund über ein Speckröllchen muss.

Klingt eigentlich ganz einfach, trotzdem ist der Stich etwas tricky und man muss ein paar Tricks kennen. Kennt man die nicht, kann es passieren, dass auf der Rückseite kein richtiger Zickzack entsteht und die Naht nicht dehnbar ist. Das andere Extrem ist eine "Wurst", die sich zwischen den beiden Nahtlinien bildet, weil der Stoff zusammengezogen wird.

Mit der Zwillingsnadel näht man auf der rechten Seite. Um mit dem Saumrand genau zwischen die beiden Nadeln zu treffen, zeichne ich mir den gewählten Saumabstand mit Kreide auf der Vorderseite auf. So weiß ich, wo Nadel hin muss (und es hilft mir auch noch, gerade zu nähen).

Nähen mit der Zwillingsnadel: Nahtlinie aufzeichnen


Wie Ihr eine richtig schöne Zwillingsnaht hinbekommt, erzähle ich Euch mit ein paar Tricks, die ich durch viel ausprobieren und recherchieren zusammen getragen habe:

1. Die richtige Nadelart wählen

Wie bei normalen Nadeln auch, ist es enorm wichtig, die richtige Nadelart zu verwenden. Wenn man also einen T-Shirt-Jersey nähen möchte, dann empfiehlt sich eine Jersey, oder gar eine Stretch-Nadel. Auf keinen Fall sollte man eine Universalnadel nähen, um Stoffschäden zu vermeiden.

2. Die richtige Nadelbreite wählen

Außerdem gibt es die Zwillingsnadel in verschiedenen Breiten. Hier sollte man unbedingt zuerst in seiner Bedienungsanleitung nachlesen, welche Nadelbreite möglich ist. die darf natürlich nicht weiter sein als das Loch in der Stichplatte und im Nähfuß. Liegen die beiden Nadeln weiter außen, können sie auf den Nähfuß oder auf die Stichplatte treffen und abbrechen!
Beim Einfädeln achtet Ihr dann darauf, dass beide Fäden ordentlich zwischen den Spannungsscheiben liegen und ohne sich zu verheddern in beide Nadelöhre eingefädelt sind.

Nähen mit der Zwillingsnadel: richtig einfädeln

3. Oberfadenspannung

Weiter oben habe ich ja schon erzählt, dass der Unterfaden ein elastisches Zickzackmuster ergeben soll. Ist die Fadenspannung zu schwach, entsteht kein ordentliches Muster und der Stich ist nicht elastisch. Also muss man die Fadenspannung erhöhen. Ich nähe normaler Weise mit einer Oberfadenspannung von 4. Für das Nähen mit der Zwillingsnadel nähe ich eher mit 6 oder 7. Das hängt ein natürlich von der Stoffart ab, probiere es also immer vorher auf einem Reststück des Stoffes aus.


4. Stichlänge

Das Erhöhen der Fadenspannung führt andererseits dazu, dass der Stoff zusammen gezogen wird und zwischen den beiden Nahtlinien eine Art Wurst entsteht - sieht natürlich nicht schön aus! Dem kann man entgegen steuern, indem man die Stichlänge erhöht. Ich wähle z.B. eine Stichlänge von 4.

Nähen mit der Zwillingsnadel: Nähmaschine richtig einstellen


5. Langsam nähen!

Und schließlich ganz wichtig: auf keinen Fall darf man mit Vollgas nähen. Ich hatte relativ am Anfang meiner Nähkarriere schon mit einer Zwillingsnadel genäht und eine schöne Naht hinbekommen. Später wollte ich sie wieder nutzen, aber die Naht sah nicht schön aus und zu allem Überfluss brach auch noch die Nadel ab! Und ich hatte keine Ahnung was plötzlich schief lief. Dabei war die Lösung ganz einfach: Am Anfang war ich unsicher und hab immer langsam genäht. Jetzt fühlte ich mich sicher und trat das Nähpedal voll durch. Tja, blöder Fehler!
Nachdem ich den Fehler erkannt hatte, stellte ich die Nähgeschwindigkeit auf die Hälfte runter und nähte nur noch langsam. Seitdem klappt es wieder!

Ich habe sogar ein kleines Video gedreht, wie das bei mir aussieht. Und nächstes Mal denke ich auch daran, das Video im Querformat zu machen, versprochen!


Fazit:

Ich hoffe die Tipps zur richtigen Nadelwahl, zu den Einstellungen an der Nähmaschine und der Nähgeschwindigkeit helfen Euch. Ich würde Euch auf jeden Fall immer erst einmal raten, Eure Bedienungsanleitung zu studieren, oft stehen da noch ein paar hilfreiche Tipps drin, die ggf. auch von meinen Empfehlungen abweichen. Außerdem probiert ein paar Einstellungen auf einem Probestück aus, bevor Ihr an Euer Nähstück geht. Je nach Stoffart müsst Ihr ein bisschen variieren.



Und nun wünsche ich Euch viel Erfolg und viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn Ihr weitere Tipps habt, immer her damit!

1 Kommentar:

  1. Hallo, habe einen Post zu Deinem Artikel auf Facebook ( https://business.facebook.com/naehprofi/posts/753250084844629 ) erstellt, ich hoffe es ist okay für Dich. Falls nein werde ich es selbstverständlich entfernen. Beste Grüße Fred Lange

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